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  • Fiona Gotsbachner

5 Maßnahmen, die die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrem Kind erleichtern

Aktualisiert: 16. Nov 2019



Wie Kinder Wörter lernen

Für Kinder im Säuglingsalter ist es vor allem von Bedeutung, Personen, Dinge und Gegenstände mit all ihren Eigenschaften kennenzulernen. Zunächst werden diese hinsichtlich Aussehens, Größe, Beschaffenheit uvm. mit Augen, Händen und vor allem dem Mund genau erforscht. Säuglinge können Ihre Aufmerksamkeit dabei noch nicht teilen und somit nur entweder auf einen Gegenstand oder aber auf eine kommentierende Person lenken. Erst ab etwa dem 9ten Lebensmonat sind sie in der Lage, einen Gegenstand mit dem Gesagten einer Person zu verbinden. Sie bemerken, dass die Erwachsenen zu Gegenständen immer die gleichen Wörter sagen, unabhängig von der Situation, in der sie sich gerade befinden. Ab diesem Zeitpunkt tritt das erste Sprachverstehen einzelner Wörter ein. Dabei hören die Kinder, einzelne Wörter aus längeren Sätzen heraus und versuchen diese mit Gegenständen oder Personen in Beziehung zu setzen. Je länger die gesprochenen Sätze der Bezugspersonen sind, umso schwieriger ist es jedoch für ein Kind, ein Wort zu erkennen, das es vielleicht noch gar nicht oft gehört hat. Deswegen ist es von großer Bedeutung, sich zu Beginn auf das zu beziehen, was im Fokus des Kindes liegt, sich kurz zu fassen und mittels Prosodie einzelne Wörter besonders hervorzuheben.


Bezugspersonen von Kindern die wenig sprechen

Oft wollen die Bezugspersonen von Kindern, die nicht so rasch zu sprechen beginnen, nur eines: Das eigene Kind im Spracherwerb unterstützen. Die Erziehenden bemühen sich dabei sehr, möglichst viel Sprachangebot darzubieten, fallen jedoch oft in die Rolle des Kommentators oder in die des Interviewers. Dabei tendieren sie dazu, alles aufzugreifen was ihnen in den Sinn kommt und/oder zu viele Fragen zu stellen, wie beispielsweise: „Schau! Da ist ein rotes Auto. Siehst du das Auto? Oh! Schau mal, da drinnen sitzt ein Mann! Siehst du seinen Hut? Der ist schön, oder? Der Papa hat auch so einen Hut. ....“


Um mit dem Kind über etwas zu sprechen, sollten die Bezugspersonen in erster Linie darauf achten, worauf das Kind seine Aufmerksamkeit gerichtet hat. Dies kann mittels kurzer Sätze sprachlich begleitet werden.

In der Kommentatoren-Rolle neigen Eltern oftmals dazu, ihre eigenen Eindrücke in den Vordergrund zu stellen und diese zu benennen. Dabei ist die Chance groß, dass sie das, was ihr Kind gerade sieht, übersehen. Sie sprechen über Personen, die in Autos sitzen, über Eichhörnchen, die in Baumkronen klettern und vielem mehr, während ihr Kind noch damit beschäftigt ist, das Auto oder den Baum in seiner Gesamtheit zu erfassen. Wenn es dabei aus dem langen Sprachschall zusätzlich einzelne Wörter erfassen soll, ist die Überforderung oftmals komplett.


Tricks, die die Kommunikation optimieren

Wie können die Bezugspersonen also die Kommunikation kindgerecht gestalten, damit diese auch die Sprachentwicklung fördert?

Es klingt in der Theorie viel zu einfach – viele Eltern haben das Gefühl, dass sie dies ohnehin tun – beobachten Sie sich in ein paar Situationen selbst einmal und erproben Sie, was sich verändert, wenn Sie folgende Dinge befolgen:


1) Begeben Sie sich auf Augenhöhe Ihres Kindes: Dadurch vermitteln Sie sofort Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind Sie gut sehen kann und auch in Ihr Gesicht blicken kann. Versuchen Sie bei Gelegenheit Blickkontakt aufzubauen. Beobachten Sie, was gerade im Interesse Ihres Kindes liegt und greifen sie dies sprachlich auf.


2) Beobachten und abwarten: Sie müssen NICHT alles besprechen und kommentieren! Warten Sie auf Situationen, in denen Ihr Kind etwas länger beobachtet, Ihnen anschließend den Blick zuwendet, Ihnen etwas zeigt oder gar ein einzelnes Wort sagt! In diesen Situationen können Sie mit einem Wort oder einem kurzen Satz das Bemerkte kommentieren. Lassen Sie sich dazu viel Zeit! Hören Sie ihrem Kind genau zu!


3) Sprechen Sie zunächst in kurzen Sätzen: Natürlich sollten Sie Ihre Äußerungen dem Sprachverstehen Ihres Kindes anpassen! Oftmals ist dies jedoch leichter gesagt als getan. Spricht Ihr Kind noch sehr wenig oder gar nicht, sollten Sie darauf achten, in kurzen Sätzen mit ihrem Kind zu sprechen! Beobachtet ihr Kind beispielsweise ein Auto, können Sie es sprachlich unterstützen, indem sie sagen „Das ist ein Auto.“ „Das Auto macht brumbrumbrum!“


4) Die Kunst der Betonung: Wenn Ihr Kind aus dem Sprachschall eines Satzes einzelne Wörter erkennen soll, können Sie es durch die Betonung eines Wortes im Satz unterstützen! Sprechen Sie dazu langsam und betonen Sie das Wort mittels Ihrer Prosodie. Wenn Sie Ihrem Kind zeigen wollen, dass ein Objekt eine gewisse Tätigkeit ausführt, unterstützen Sie dies auch mittels Mimik und Gestik! Zum Beispiel können sie, während Sie „das Auto fährt“ sagen, eine fahrende Geste mit Ihrer Hand machen und diese anschließend mit „brumbrumbrum“ begleiten.


5) Schaffen Sie Rituale: Sich Ihrem Kind andauernd zuzuwenden, ihm die volle Aufmerksamkeit zu schenken, abzuwarten was es zu sagen hat und anschließend kurze, betonte Sätze zu sprechen ist nicht einfach und benötigt vor allem eines: Übung und Zeit zu zweit!

Eltern kennen es oft nur zu gut: Man hat wenig geschlafen, regelt den Haushalt, koordiniert verschiedenste Termine, zwischen dem Einkauf im Supermarkt und dem Nachhauseweg läutet das Telefon, währenddessen versucht das eigene Kind die Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen… Am einfachsten wäre es, man hätte 4 Arme und Beine, 4 Augen und Ohren, um alle Maßnahmen für eine gelungene Kommunikation umzusetzen. In der Alltagshektik ist das jedoch oft einfach unmöglich!

Begeben Sie sich auf Augenhöhe zu Ihrem Kind. Lassen Sie sich Zeit und beobachten Sie, was gerade in seinem Fokus ist. Begleiten Sie dies mit einem kurzen Satz und - wenn möglich - mit einer Geste!

Die einfachste Maßnahme, die Sie setzen können, ist ein gemeinsames Ritual einzuführen! Schaffen Sie sich täglich 5 Minuten, in denen Sie Ihrem Kind Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken können. Schalten Sie Telefon, Radio und Fernseher aus. Suchen Sie sich einen Ort, an dem Sie ungestört sind. Spielen Sie mit den Autos, den Stofftieren oder lassen Sie Ihr Kind ein Buch aussuchen. Lassen Sie es selbst umblättern und warten Sie ab, was die Aufmerksamkeit Ihres Kindes einfängt! Versuchen Sie diese gemeinsamen 5 Minuten immer zur selben Zeit und am selben Ort einzuhalten. Das hilft anfangs sehr, um das Ritual fortzuführen. Je geübter Sie werden, umso leichter wird es Ihnen fallen, kommunikationsfördernde Maßnahmen auch im Alltag umzusetzen!


Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Ausprobieren!


Mit freundlichen Grüßen,

Ihre Logopädin - Fiona Gotsbachner


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